Freitag, 28. Mai 2010

Mit Fine unterwegs

Im März-April oder wars April-Mai (ich hab und hatte kein Zeitgefühl mehr) war ich für 3 Wochen mit Fine in China unterwegs, plus noch eine unfreiwillige, durch die Volcanic Ash Cloud* verursachte zusätzliche Woche, die wir gemeinsam verbracht haben.

Die Zeit war total schön und ich guck mir immer noch die Fotos dauernd an, weil wir soviel Spaß zusammen hatten und es total harmonisch war. In vier Wochen haben wir uns nie gestritten... sondern gemeinsam Chinesen in Nachtzügen kennengelernt und mit ihnen Bier auf die internationale Verständigung getrunken, Wein aus Deutschland durch die Gegend geschleppt, den wir immer trinken wollten, aber abends immer zu müde dafür waren und ihn letztendlich an nette Chinesen verschenkt, die uns geholfen haben. Wir haben (wenn auch unfreiwillig) Ratten in unserem Zimmer mit Weintrauben gefüttert und uns damit dem Naturschutz verdient gemacht, wir haben einen der teuersten Cocktails in China getrunken - und dafür war er noch nicht mal gut (enttäuschende Cloud 9 Bar) und wir haben uns körperlich angestrengt, in den vielen netten Berglandschaften Chinas... nicht wahr, Fine? :)

Hier sind die Fotos:
Link zum Fotoalbum


* Ich hoffe, der Begriff "Volcanic Ash Cloud" oder der Name des Vulkans wird zum Unwort des Jahres gekürt... ;)





















Donnerstag, 27. Mai 2010

Abschied

Hey ihr Lieben!

Ich bin's mal wieder. Diesmal mit sehr überraschenden Neuigkeiten! Es ist in letzter Zeit alles sehr turbulent gewesen, so dass ich keine Gelegenheit hatte, den Blog auf dem Laufenden zu halten.
Erstmal, um es ganz kurz zu machen: Ich bin seit Montag nicht mehr in China, sondern gerade in Berlin und werde in ca. 10 Tagen nach Benin, Westafrika fliegen für ein 3-monatiges Praktikum in der Entwicklungshilfe bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

Um das ein wenig zu erklären, muss ich ein bisschen weiter ausholen. Ich bin nicht aus China gegangen, weil es mir dort nicht mehr gefallen hat. Im Gegenteil, mein Leben dort war geradezu perfekt - ich hatte genügend Zeit und Geld, um viel zu reisen und Land und Leute kennen zu lernen. Die Menschen und alle, die ich dort kannte, waren total nett und ich hab mich insgesamt total wohl gefühlt. Allerdings bestand mein Leben in China auch nur noch aus Reisen, ich hatte keine feste Wohnung mehr (weil es sich nicht mehr gelohnt hätte) und war nur noch unterwegs. Dadurch hab ich viel gesehen und viel gelernt und ich möchte nichts von dem, was ich gemacht und gesehen habe, missen. Aber manchmal fehlte mir auch etwas Festes, eine Art Ziel. Ich wollte etwas Sinnvolles und Nützliches machen und auch mal wieder etwas lernen. Nach einem Jahr ohne Unikurse, nur mit Chinesisch lernen, wollte ich am Ende des Auslandsjahres zumindest ein interessantes Praktikum im Bereich Umweltschutz machen. Ich hab mich dann in China umgesehen und bei einigen Stellen beworben, aber entweder es hat nicht geklappt oder die Sachen haben mir nicht 100%ig zugesagt. Und ein Praktikum, nur um ein Praktikum vorweisen zu können, wollte ich nicht machen. Ich möchte wirklich etwas dabei lernen und nicht einfach nur meine Zeit absitzen.

Deshalb habe ich beschlossen, mich auch ausserhalb von China umzusehen und bin auf der Seite der GTZ auf ein total tolles Praktikum in Benin gestoßen. Es ist perfekt, weil es in einem Bereich ist, in dem ich mir vorstellen könnte zu arbeiten (und es deshalb sehr schön finde, schon jetzt einen Einblick zu erhalten), es ist perfekt, weil es sinnvolle Arbeit ist, es ist perfekt, weil es in Afrika ist und ich diesen Kontinent total interessant finde und gerne näher kennen lernen möchte und es ist perfekt, weil es gut in meine Semesterferien passt und ich dafür kein Semester länger studieren muss. Deshalb habe ich mich beworben, aber nach 3 Wochen ohne Rückmeldung gar nicht mehr mit einer Zusage gerechnet. Und ganz plötzlich, ohne vorheriges Telefonat oder ähnliches war die Nachricht im Postfach - ich darf das Praktikum machen! Ich war natürlich total glücklich und konnte es kaum glauben!

Falls euch interessiert, wo ich genau arbeiten werde, schaut euch am besten die Seite der GTZ Benin an:
http://www.gtz.de/de/weltweit/afrika/577.htm

Nachdem ich die Zusage erhalten hatte, bin ich erstmal zurück nach Peking gefahren, um mich dort um alles kümmern zu können - vor allem um die Gelbfieberimpfung und das Visum. Nachdem ich dann aber die Gelbfieberimpfung nicht so einfach bekommen habe und es mir zu heikel war zu warten und zu versuchen, es doch noch in China zu bekommen, weil es zeitlich knapp geworden wäre (die Impfung muss man 11 Tage vor Einreise haben), habe ich beschlossen, nach Berlin zu fliegen - 6 Tage nachdem ich die Zusage erhalten hatte. Dadurch blieb mir kaum noch Zeit in China, um mich zu verabschieden und auf einmal habe ich realisiert, was ich eigentlich beschlossen hatte und dass es nun wirklich das Ende meines Chinajahres ist. Ich war ziemlich traurig und fertig, so plötzlich los zu müssen und hab auch zwischendurch an meiner Entscheidung gezweifelt und mich gefragt, ob das alles so richtig war.
Ich hatte dann nur einen Tag Zeit, um mit dem Zug nach Nanjing zu fahren und meine Sachen zu packen und mich von allen Leuten zu verabschieden, um dann am nächsten Tag zurück nach Peking zu fahren und mich in einer durchgemachten Nacht von Norman und Christina in Peking zu verabschieden und einen Tag darauf schon zu fliegen. Das war ziemlich anstrengend... physisch und emotional... Ich hab schon vor meiner Abreise China und seine Menschen sowie alle meine Freunde in China vermisst und wollte auf einmal gar nicht mehr weg und hatte Angst vor dem, was kommt. Ich hab erst bei meiner Abreise gemerkt, wie sehr ich China und mein Leben in China genossen habe und wie sehr mir alles fehlen wird! All diese kleinen Details... die Taxifahrer, die Milk-Teas, die Nudel- und Fried-Rice-Stände, Frucht-Smoothies, chinesische Friseure mit ihren unglaublich schlechten Frisuren, mein Lieblingscafe - das Sculpting in Time, Nachtzugfahrten, chinesische Kinder mit ihren geschlitzten Hosen, die ganzen Standardfragen, die mich immer so genervt haben (Woher kommst du? Aus Deutschland? Deutschland ist toll - deutsche Autos... BMW, Mercedes... deutscher Fussball... Ballack... toll... Und wie lange bist du schon in China? Ach was, und dein Chinesisch ist schon so gut??)... Ich werde es vermissen, mit Stäbchen zu essen und für wenig Geld immer was leckeres zu bekommen, ich werde die Hilfsbereitschaft und Neugier der Chinesen vermissen und die vielen Lichter der Großstädte bei Nacht...

Ich weiß, dass ich noch einmal nach China zurück kehren werde, um noch all die Sachen zu sehen und zu tun, die ich nun nicht mehr geschafft habe. Und weil mich das Land so sehr fasziniert, dass ich wieder zurück möchte. Auch wenn mich während meiner Zeit in China viele Sachen gestört haben. In China habe ich die positiven und negativen Sachen kennen gelernt und weiß, dass ich trotzdem zurück möchte. Das Land hat es mir angetan!!

Damit ist nun auch dieser Blog erst einmal beendet. Ich werde bestimmt einen neuen Blog für meine Zeit in Benin eröffnen. Mein Plan ist, einen ganz neuen Fotoblog zu erstellen mit Bildern aus der China-Zeit in etwas geordneter Form und mehr Beschreibungen zu den Bildern und in diesem Blog auch die Bilder von Benin hochzuladen. Aber ich weiß noch nicht, wann ich das schaffe und wieviel Zeit das in Anspruch nehmen wird.Wenn der Blog fertig ist, werde ich es hier veröffentlichen.

Ich wünsche euch allen alles Gute! Wir sehen uns bald wieder! Ab Mitte September bin ich wieder in Berlin.

Eure Lisa

Freitag, 19. März 2010

Seoul - Fashion, Style, Design, Technologie, Schoenheits-OPs

Ich mache gerade Urlaub in Seoul und besuche die beiden Amerikaner, die ich mit Katrin in Beijing kennengelernt habe. Und ich bin total begeistert von Seoul! Eine der besten Staedte zum Leben in Asien... Wer sich unter Korea ein nicht besonders entwickeltes Land vorstellt (das habe ich zugegebenermassen vor nicht allzu langer Zeit getan), der wird eines besseren belehrt. Koreaner, insbesondere Seouliten, sind modern, technikverliebt, modebewusst, perfektionistisch... Und wer sich unter Seoul eine warme Stadt vorstellt (auch das habe ich getan), wird leider enttaeuscht!

Hier ein paar Sachen ueber Seoul in ungeordneter Reihenfolge:

- Schoenheits-OPs: Auch in Korea (wie in China und Taiwan) gilt im Allgemeinen: Je attraktiver eine Frau ist, einen desto reicheren Mann kann sie angeln und umgekehrt. Und da man mit 25-30 spaetestens geheiratet haben sollte, ist der Druck entsprechend gross, jemanden zu finden. Die koreanischen Frauen sind besonders perfektionistisch, was das eigene Aussehen betrifft. Fast alle Frauen in Seoul haben mindestens eine Schoenheits-OP hinter sich. Besonders beliebt sind: eine kuenstliche Augenfalte (Double Lid) machen lassen, Wangen aufspritzen, Kinn schmaler machen, Nasenvergroesserung, Brustvergroesserung...

- Fashion: Die taegliche U-Bahn-Fahrt gleicht (ohne Uebertreibung) einer Modenschau. ALLE Menschen hier sehen gut aus, perfekt gekleidet, perfekt frisiert, geschminkt... niemand ist verpennt oder einfach nur nachlaessig gekleidet. Man weiss eigentlich gar nicht, wo man hinschauen soll, weil eine(r) besser aussieht als der/die andere, andererseits fuehlt man sich auch verpflichtet, mindestens eine Stunde im Bad zu verbringen, bevor man einen Schritt vor die Haustuer wagt. Toll ist aber, dass man hier total nette, kleine Laeden mit guten, nicht zu teuren Klamotten findet!

- Technik: Koreaner sind ziemlich technikverliebt. Die ganze Zeit haben sie ihr Handy oder ihre PSP oder sonstirgendein Spielzeug in der Hand, mit dem sie per livestream Filme und Nachrichten schauen, E-Mails schreiben etc.

- Design: Man hat das Gefuehl, es wurden Hunderttausende Designer eingestellt, um jeden Teil des taeglichen Lebens benutzerfreundlich und aesthetisch zu gestalten. Schilder, Leitsysteme, Flyer, Verpackungen, Beleuchtung, Farben, alles ist intuitiv, gutaussehend, einfach und durchdacht. So wie man in der U-Bahn vor lauter gutaussehenden Menschen nicht weiss, wo man hinschauen soll, ist man auch beim Spazieren durch die Stadt staendig begeistert von kleinen Details, die die Stadt selbst bietet. 2010 ist Seoul uebrigens weltweite Design Hauptstadt.

- Transport: Das U-Bahnnetz ist eins der besten der Welt - von Berlin ist man ja vieles gewoehnt, aber das Seouler U-Bahnnetz ist meiner persoenlichen Meinung nach besser, weil noch viel intuitiver... Ausserdem hat fast jede U-Bahn-Station eine saubere, kostenlose Toilette (natuerlich mit extragrossen Spiegeln), total praktisch.

Und weil's mir hier so gut gefaellt, bleibe ich noch ein bisschen laenger hier! (leider nur noch 2 Tage)

Liebe Gruesse nach Deutschland!


*nach dem Friseurbesuch in Seoul

Qinghai

Qinghai war aufregend und spannend... Fernab der Zivilisation und jeglicher befestigten Strasse hatten wir Probleme mit einem der beiden Autos, so dass es nicht ganz klar war, ob wir als ganze Gruppe heimkehren koennen oder ob wir eine Haelfte mit Essen, Wasser und Kohle zum Heizen fuer 2-3 Tage zurueck lassen muessen, damit die andere Gruppe Hilfe holen kann. Aber nun gut, wir haben alle ueberlebt, hehe. Mehr mag ich grad nicht schreiben... bin faul!


Winterliches Peking

In Peking habe ich Silvester gefeiert, die Grosse Mauer besucht, habe auf zugefrorenen Seen meine Fuesse absterben gefuehlt, 2 Monate mit einem lustigen schwedisch-chinesischen Paar zusammen gewohnt, viel Schweiss in meine Studienarbeit gesteckt, dabei viel Haferflocken und chinesische Medikamente gegessen, habe mit Katrin das Fruehlingsfest gefeiert und mit ihr 2 nette Amerikaner, die in Seoul leben kennen gelernt und so weiter und so weiter...


Weihnachten in China


Neue Fotos

Habs endlich geschafft, Fotos zu sortieren und hochzuladen. Diesmal bei Facebook, weshalb ich euch gleich die Links zu meinen Facebook-Alben schicke. (jaja... mein Blog leidet ein wenig unter Inkonsistenz und vieles koennte besser sein, aber eigentlich geht's hier ja vor allem darum, euch auf dem Laufenden zu halten und deshalb muss das aus Zeitmangel jetzt so gehen).

Donnerstag, 11. Februar 2010

Böse Affen

Ich bin grad in einem Blog von einer Freundin auf ein Bild von einem angriffslustigen Affen auf dem Emei Shan gestoßen (von denen wir zu Weihnachten ja auch ganz gemeinerweise überfallen wurden). Für alle, die sich ein Bild davon machen wollen, wie so ein Angriff aussieht:

http://nudlufolkid.bloggar.is/gagnasafn/2009/11/
(ganz unten)

Auch sonst enthält der Blog viele, interessante, schöne China- und Nicht-China-Bilder...

Chinesisches Frühlingsfest

Ich sitze grad an meinem Schreibtisch und schaue aus dem Fenster und höre in unregelmäßigen Abständen Feuerwerkskörper knallen.. Dieses Wochenende, am 14.2., wird in China nämlich das Neujahrsfest (春节, Chunjie - "Frühlingsfest") gefeiert und einige Chinesen bereiten sich schon mal darauf vor (ungefähr wie kurz vor Silvester in Deutschland). Der Neujahrstag und die Zeit drumherum ist in China das wichtigste Fest im ganzen Jahr - vergleichbar mit Weihnachten in Deutschland. Deshalb möchte ich euch diesen Tag mal ein bisschen vorstellen.

Chunjie (das Frühlingsfest) ist ein großes Familienfest und alle Chinesen bekommen 5 Tage frei, um nach Hause zu fahren. Doch die meisten Chinesen verbrauchen zusätzlich ihren kompletten Jahresurlaub und fahren für 2 Wochen oder sogar länger nach Hause, um diese Zeit mit den Verwandten daheim zu verbringen. Das macht sich insbesondere dadurch bemerkbar, dass man um die Zeit des Frühlingsfestes (eigentlich sogar den ganzen Februar) nur sehr schwer an Zugtickets kommt. Vor den Ticketschaltern an den Bahnhöfen und an kleineren Ticketverkäufen sieht man überall lange Schlangen und die beliebtesten Tickets sind meist schon am Vormittag des ersten Tages, an dem man Tickets kaufen kann (je nach Kategorie 5-10 Tage vorher) ausverkauft. Und auch die Züge sind um diese Zeit herum überfüllt mit Menschen, Koffern und allem möglichen anderen, was man so transportieren kann. Das Verkehrschaos und die überfüllten Züge um Chunjie herum bestimmen auch meistens die Nachrichten und sind für mich das offensichtlichste, woran man schon vorher merkt, dass bald Frühlingsfest ist.

Schon Tage oder Wochen vor dem Frühlingsfest beginnen die Vorbereitungen. Die Wohnung wird gereinigt und rot geschmückt und Glücksbringer werden aufgehangen- z.B. wird das Zeichen für Glück verkehrtherum aufgehangen, weil "umgedreht, verkehrtherum" genauso ausgesprochen wird wie "ankommen" (dao) - das Glück soll im neuen Jahr ankommen. Vor dem Neujahrsfest gehen die Chinesen zum Friseur, kaufen sich neue Sachen etc., um nichts altes in das neue Jahr mitzunehmen. Außerdem bringt es z.B. Unglück, in der ersten Zeit des neuen Jahres zum Friseur zu gehen, weil "Haar" genauso ausgesprochen wird wie "Wohlstand, Glück" und man sich also sein Glück wegschneiden würde oder es bringt Unglück, am Anfang des neuen Jahres neue Schuhe zu kaufen, weil "Schuh" genauso ausgesprochen werden wie ein Wort für "schlecht, böse" - das gleiche mit dem Kauf von Büchern...  Man sieht, man kann vieles falsch machen. ;)
Am Vorabend des Neujahres, also dieses Jahr am 13.2., trifft sich die Familie zu einem gemeinsamen großen Essen. Im Laufe des Abends wird eine chinesische Neujahrs-Fest-Sendung geschaut und Jiaozi (kleine Teigtaschen) für den nächsten Morgen vorbereitet. Um Mitternacht herum gehen die Chinesen auf die Straße und zünden Feuerwerkskörper... Die rote Farbe, mit der um Chunjie herum alles dekoriert wird und der Lärm des Feuerwerks sollen den bösen Geist des alten Jahres - "nian" (年) vertreiben, der laut Legende einmal im Jahr kommt und den Chinesen früher Angst bereitete, bis sie erkannten, dass er nur einmal im Jahr kommt und sich von roter Farbe und Krach vertreiben lässt.

Am ersten Tag des Jahres, also am 14.2., werden die Jiaozi gekocht und gemeinsam im Kreise der Familie gegessen. Viele Familien gehen auch im Restaurant essen, weil es einfacher ist und weil chinesische Wohnungen oft nicht sehr groß sind. In den folgenden Tagen werden Verwandte besucht und Neujahrs-Glückwünsche ausgesprochen. Die Verwandten, die man nicht besuchen konnte, werden angerufen und man selbst erhält viele Anrufe und jeder wünscht jedem alles Gute für das neue Jahr. Kinder und unverheiratete Verwandte erhalten Geldgeschenke in roten Umschlägen (红包, hongbao).

Ich selbst werde das Frühlingsfest in Beijing zusammen mit Katrin, die extra für eine Woche aus Taipei kommt, verbringen. Wir werden abends wahrscheinlich essen gehen und uns dann das Feuerwerk angucken! Bin schon echt gespannt auf die ganze Woche! Nachdem ich die letzten Wochen eigentlich fast nichts anderes gemacht habe, als vor meinem Computer zu sitzen und an meiner Studienarbeit zu schreiben, werde ich nun endlich mal wieder rauskommen und was von Beijing sehen! dann kann ich auch endlich mal wieder paar Fotos machen und hier hochladen! Ich hab gehört, Beijing wird um Chunjie herum wie leergefegt sein, weil die meisten Leute nicht aus Beijing kommen und nun in ihre Heimatprovinzen zurück fahren. Mal schauen, ob das stimmt!

Nächste Woche (am 20.2.) gehts übrigens los nach Qinghai! Da werd ich zusammen mit Johannes, einem deutschen Professor der Uni Nanjing und noch einigen Chinesen zum Halahu (哈拉胡) - einem See in in der Provinz Qinghai fahren. Der See wird dann hoffentlich zugefroren sein, so dass wir eine Eiskernbohrung machen können, um die Sedimente des Sees mit nach Nanjing zu nehmen. Bin schon sehr gespannt, wie das alles wird. Ich hoffe vor allem, es wird nicht zu kalt!! ;) Spannend wird es, weil wir mit 2 Autos über sehr abwegige Straßen fahren werden, weil wir über zugefrorene Flüsse fahren werden, weil wir auf ca. 3000 m Höhe (wenn ich es recht in Erinnerung habe) sein werden, weil wir einige Tage kein fließend Wasser haben werden und weil es ziemlich kalt sein wird... Aber dafür werden wir diesen wundervollen, schönen See sehen:
http://www.flickr.com/photos/29cm/252312838/
Das entschädigt für alles!

Ich wünsch euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr! (jetzt ist noch Jahr des Ochsen bzw. des Rindes - mein Sternzeichen - das nächste Jahr wird das Jahr des Tigers sein...)

Eure Lisa

Montag, 1. Februar 2010

Butter-Brücke

Ich habe gerade beim Durchstöbern folgende "interessante" Schlagzeilen zu einer Brücke in Südchina entdeckt. Offensichtlich häufen sich dort Selbstmordversuche - und jedes Mal muss die Brücke für Stunden gesperrt werden, so dass der Verkehr aufgehalten wird. Ganz und gar verständlich, dass der ein oder andere Autofahrer da wütend wird und das Problem selbst in die Hand nimmt - und einfach mal den Selbstmörder eigenhändig die Brücke runterstößt, um die Sache ein wenig zu beschleunigen, wie in dieser Schlagzeile nachzulesen ist:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/8064867.stm

Eine andere, innovative Herangehensweise wird in folgender Schlagzeile beschrieben - hier wurde die Brücke einfach komplett mit Butter eingeschmiert, um Selbstmörder davon abzuhalten, die Geländer hochzuklettern. In dem Zusammenhang tauchen einige interessante, aber unbeantwortete Fragen auf. Wie z.B. woher die Chinesen soviel Butter genommen haben - Milchprodukte wie Käse, Butter und Sahne sind schlicht und ergreifend äußerst teuer in China. Oder wie oft diese Butter erneuert wird? Oder wie es nach einer Woche auf dieser Brücke roch?

http://gizmodo.com/5347051/butter-smeared-on-giant-bridge-to-prevent-suicides-and-traffic-jams

Sonntag, 31. Januar 2010

Neuigkeiten aus Beijing!

Hallo ihr Lieben!

Lang lang ists her, dass ich mich bei euch gemeldet habe. Und viele von euch haben sich schon beschwert, dass ich so lange nicht mehr in meinem Blog geschrieben habe. Und ihr habt ja Recht! Ich wollte natürlich eigentlich viel öfter schreiben. Deshalb setze ich mich jetzt mal wieder ran und schreibe, was so in den letzten 1-2 Monaten passiert ist, denn so lange ists schon wieder her, dass ich nicht geschrieben habe! (aaaah, die Zeit vergeht so schnell!)

Zunächst einmal folgende Neuigkeit: Ich bin nach Beijing gezogen!! Ja! Beijing ist eine so wunderbare Stadt! Wie ist es dazu gekommen? Dazu muss ich weit ausholen…

Alles fing damit an, dass ich Ende November, Anfang Dezember nach Taiwan geflogen bin, um Katrin, eine Freundin aus meinem Chinesischkurs in Berlin, zu besuchen. Sie lernt Chinesisch an der Uni in Taipei und wohnt mit zwei Taiwanesen zusammen in einer richtig schönen Wohnung.  Ich hab sie dort besucht und eine wunder-wunder-wunderbare Woche verbracht! Jetzt ist es schon so lange her, dass ich gar nicht mehr so lang und breit über Taiwan schreiben möchte, aber kurz gesagt: Taiwan hat mich echt beeindruckt. Die Insel ist total schön und abwechslungsreich, man kann super wandern, Rad fahren, schwimmen, sogar Berg steigen… Taipei ist total sauber und die Leute nett und höflich und man kann sehr gut und abwechslungsreich essen gehen. Mir hat’s echt total gefallen in Taiwan, aber natürlich ist es auch immer schwer, einen differenzierten Eindruck innerhalb von einer Woche zu bekommen, insbesondere, wenn man in dieser Woche Urlaub macht und eh nur nette Sachen unternimmt. :) Aber trotzdem – Taiwan ist super! Und die Fotos sprechen wohl für sich.

Dann, zurück in China war ja dann schon Dezember und die Weihnachtszeit begann. Doch davon habe ich gar nicht wirklich was mitbekommen, denn in China wird Weihnachten nicht wirklich gefeiert und die obligatorische Weihnachts-Reizüberflutung, die man aus Deutschland kennt, blieb aus. Man stelle sich einfach mal ein Weihnachten OHNE die folgenden Sachen vor:
-    Spekulatius, Lebkuchen, Marzipankartoffeln und allgemein Schokolade
-    Selbstgebackene Plätzchen
-    Zimttee und Glühwein
-    Weihnachtsmänner und –bäume in jedem Schaufenster
-    Weihnachtsmusik (insbesondere „Last Christmas“) in jedem Kaufhaus
-    Weihnachtsmärkte an jeder Straßenecke

Sondern einfach nur Alltagsbetrieb, graues Wetter, graue Straßen. Es war wirklich seltsam… mir hat Weihnachten richtig gefehlt, mehr als ich eigentlich gedacht hatte! Ich finde Weihnachten sonst auch immer ganz schön - wenn auch meist etwas stressig, aber trotzdem gehöre ich zu den Leuten, die Weihnachten echt mögen – ich mag es, drinnen zu sitzen und Tee zu trinken und Kerzen anzumachen und draußen ist es kalt und grau. Aber diesmal war einfach NUR „Normalität“ und es war NUR grau draußen, aber ohne den gemütlichen Weihnachtspart. Deshalb dachte ich mir, Weihnachten muss ich irgendwas besonders schönes machen, um keine Weihnachtsdepression zu bekommen.
Da passte es ganz gut, dass Johannes zu Weihnachten von Mithra, einer Freundin aus Berlin, Besuch bekam und wir Weihnachten zusammen verbringen konnten. Gemeinsam mit Friedrich und Christina (beide auch aus unserem China-Programm) sind wir nach Sichuan gefahren und haben den HEILIGabend auf dem Emei Shan, einem der HEILIGEN Berge (ich hoffe, ihr bemerkt den Zusammenhang, auf den ich euch überaus subtil hinweisen möchte) verbracht. Das war bestimmt das verrückteste Weihnachten, das ich bisher verbracht habe. Jeder hatte ganz viel Weihnachtszeug dabei – ich hatte selbstgebackene Plätzchen und viel Milkaschokolade von meiner Mama – und die anderen hatten auch alle Sachen von ihren Eltern aus Deutschland: Plätzchen, Schokolade, Rotwein, Kääääsee, Weihnachtsmusik usw. im Gepäck. Mit all dem Zeug haben wir uns auf den Weg gemacht, den Emei Shan zu besteigen. „Berg steigen“ in China bedeutet immer vor allem eins: viiieeele, viele, unendlich viele Treppen steigen… man kann es sich einfach so vorstellen, ein mehrere hundert Meter hohes Hochhaus ohne Aufzug zu besteigen. Das ist anstrengender, als wenn die Wege einfach ganz natürlich wären.

Auf dem Weg nach oben wurden wir von mehreren drogensüchtigen Affen attackiert. Die Droge, auf der die Affen waren, ist der gesüßte, grüne Tee in auffällig grünen Plastikflaschen, den man überall kaufen kann. Als die Affen uns sahen, haben sie offensichtlich schon von weitem abgecheckt, wer wo ans einem Rucksack eine solche Grünteeflasche hatte, denn sie kamen dann sehr zielstrebig auf uns zugerannt und sind an uns hochgesprungen, um zielsicher nach den Flaschen zu greifen und 2 m von uns entfernt diese Flaschen mit ihren spitzen Zähnen aufzubeißen und wie Bestien oder eben wie Drogensüchtige äußerst geräuschvoll daran zu saugen und die Flasche in 2 Sek zu leeren! Das war ein Schauspiel! Natürlich hat diese Vorstellung unsere Phantasie beflügelt und nachdem wir in Sicherheit waren, haben wir uns überlegt, was wir das nächste Mal für Leckereien in diese Grünteeflaschen füllen könnten, um uns zu rächen: Angefangen von Baijiu (dem chinesischen Schnaps) über Essig zu Chilisauce… Es sollte aber subtil schmecken, denn sonst würden die Affen wohl sehr wütend werden. Am lustigsten wäre es, die Affen mit Baijiu betrunken zu machen. Das nächste Mal, wenn ich in ein Affengebiet wandere, mach ich das auf jeden Fall!

Jedenfalls, als wir die Affen überstanden hatten, haben wir uns einen Schlafplatz in einem buddhistischen Tempel gesucht und dort gemütlich mit Heizdecken, Rotwein und Käse und viel Schokolade den Heiligabend verbracht. Auf dieser Höhe des Berges lag sogar jede Menge Schnee, so dass sich langsam ein weihnachtliches Gefühl eingestellt hatte!

Dann, die darauffolgenden Tage, haben wir uns alle getrennt. Johannes und Mithra sind nach Yunnan weiter, Friedrich und ich sind nach Guilin gefahren und Christina ist in Sichuan geblieben.

Kurz zu Guilin: Für alle, die es nicht wissen, Guilin ist eine der schönsten Gegenden in ganz China. Man hat dort diese berühmten Karstlandschaften, die man aus jedem China-Bildband kennt. Friedrich und ich hatten ziemliches Glück mit dem Wetter am ersten Tag, so dass alles einfach nur total traumhaft schön aussah! Wir sind mit dem Fahrrad durch kleine Dörfer gefahren und konnten viele schöne Fotos machen… Die darauffolgenden Tage war es leider etwas grau und ich fühlte mich auch nicht so gut, so dass wir dann nicht mehr so viel gemacht haben. Aber ich möchte auf jeden Fall noch mal nach Guilin zurück! Es war sooo schön dort!

Silvester sind Friedrich und ich dann beide nach Beijing gefahren und haben ein nettes, aber auch relativ unspektakuläres Silvester verbracht. Silvester wird nicht so groß gefeiert wie in westlichen Ländern. Es gab kein Feuerwerk (oder zumindest haben wir keins von unserem Fenster aus sehen können) und insgesamt hatte ich nicht so ne Silvester-Stimmung. Feuerwerkskörper sind wegen der Brandgefahr verboten und überhaupt wird es einfach nicht groß gefeiert, da das chinesische Neujahrsfest ja erst noch kommt (im Februar). Aber es war schön, in Beijing zu sein und Zeit mit Christina und Norman aus unserem China-Programm zu verbringen.

Ja, und dann war eigentlich mein ursprünglicher Plan, wieder zurück nach Taiwan zu fliegen (weil's mir dort so gut gefallen hat!) und den Januar in Taipei zu verbringen und dort meine Studienarbeit zu schreiben. Damit hätte sich der Kreislauf geschlossen. Doch das hat leider nicht geklappt, weil die Vermieterin des Zimmers, wo ich eigentlich wohnen wollte, sich nicht einverstanden erklärt hatte (ich fass jetzt alles mal nur kurz zusammen). Also war ich hin und her gerissen!! Ich wollte nicht zurück nach Nanjing, weil ich dort schon seit ner Weile versucht habe, meine Studienarbeit zu schreiben und einfach keine Motivation aufkommen wollte und weil ich Nanjing auch einfach etwas langweilig fand, ich wollte so gern nach Taipei, weil es dort warm und schön ist, aber andererseits wollte ich auch nicht ohne eine Wohnung zu haben, dort hin, weil ich dann erst noch Wohnung suchen musste und das hätte sich für einen Monat nicht gelohnt. Und nach beijing wollte ich sowieso früher oder später wegen eines Praktikums und die Stadt hat mich eh schon lang gereizt (weil hier die ganze Musik- und Kunstszene ist und einfach viel mehr los ist), so dass ich nur noch 1 und 1 zusammen zählen musste und spontan beschlossen habe, einfach in Beijing zu bleiben! Also hab ich nach einem freien Zimmer gesucht und auch innerhalb von 3 Tagen was gefunden. Bin dann noch mal nach Nanjing gefahren, um mein Zeug zu holen und Zeit mit meinem Mitbewohner zu verbringen und mich zu verabschieden – und jetzt wohn ich in Beijing! Allerdings erstmal nur bis Ende Februar… danach muss ich mal weiter sehen…

Ich wohn jetzt in einer kleinen, gemütlichen Wohnung zusammen mit einem echt netten Schweden und seiner chinesischen Freundin. Die beiden sind ein total witziges Paar und es macht Spaß, den beiden bei ihren alltäglichen Streitereien (oder Neckereien) zuzuhören. Ich sitz leider den ganzen Tag vor meinem Computer und arbeite an meiner Studienarbeit, aber immerhin komme ich auch endlich mal ein bisschen vorwärts und hoffe, dass ich sie bald abschließen kann. Von Beijing hab ich noch nicht soviel gesehen und auch meine Sprachkenntnisse machen im Moment keine Fortschritte… ich könnte im Moment wirklich an jedem beliebigen Ort der Erde sein und es würde sich wohl ähnlich anfühlen. Aber da muss ich jetzt durch und dann hab ichs vielleicht bald geschafft und kann mich wieder ganz auf China konzentrieren.

Mein nächstes halbes Jahr wird auch total toll werden, wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle. Ende Februar werden Johannes und ich zusammen mit einem deutschen Professor, der an der Uni Nanjing arbeitet, nach Qinghai fahren und in einem See eine Eiskernbohrung durchführen. Sowas macht man, um an die Sedimente des Seebodens zu gelangen, ohne sie aufzuwirbeln (deshalb muss der See eingefroren sein) und dann kann man Aussagen treffen darüber, wie der See entstanden ist und was so alles vor Tausenden von Jahren passiert ist. Das wird super spannend!

Dann kommt mich bald Fine besuchen und wir werden 3 Wochen rumreisen, darauf freu ich mich auch schon total.

Und dann ist bald Mai und dann mache ich ein Praktikum am Institute of Tibetan Plateau Research, das „zufälligerweise“ mit der TU Berlin zusammen arbeitet und dort werde ich eine Expedition nach Tibet begleiten und mir die Forschungsstationen in und um Lhasa anschauen. ;)
Diese ganze "Forschung" ist so witzig, eigentlich geht es doch im allgemeinen mehr oder weniger nur darum, einen Vorwand zum reisen zu haben. Ich weiß schon, warum ich Umweltwissenschaften und nicht mehr Mathematik studiere... :))

Ansonsten, was gibt’s noch zu erzählen? Ich fange an, an der Sprache zu verzweifeln. Ich mach kaum Fortschritte und das ist echt schade. Ich finds auch sehr schade, dass ich mich nicht komplett auf das Sprachenlernen konzentrieren kann, sondern immer diese Studienarbeit im Kopf habe. Aber irgendwas ist ja immer und Chinesisch ist einfach wirklich nicht eingängig, find ich. Es ist ganz anders, als Französisch oder Spanisch zu lernen.

Also gut, ich hoffe, ich konnte ein wenig eure Neugier befriedigen. Ich lade schon mal ein paar Fotos von Taiwan hoch, die Fotos von Weihnachten und Silvester muss ich später hoch laden, also schaut hin und wieder mal rein...

Bis bald!
Liebe Grüße
Lisa


Bilder aus Taiwan:

 
Straße in Taipei
 
Miao!

Beim Videospiele spielen (sehr beliebt in China und Taiwan!)


Katrin bekommt Reisetipps von FuYi

Schuluniformen

Spielende Schulkinder

Weihnachtsdeko auf taiwanesisch

In der U-Bahn in Taipei - In Nanjing wär man über soviel Platz froh!


Japanisch essen

Im Bambuswald in Alishan

Diesmal ich im Bambuswald

  
Zerstörungen durch den Taifun 2009

 Taiwanesischer Junge

Das traurigste auf der ganzen Reise: Einer von zwei Braunbären in einem trostlosen Käfig


In diesem Käfig hausen die beiden Bären :(

Nationalpark in Alishan

Immer noch Alishan



Eine Nacht haben wir in einem Stundenhotel verbracht... Das hier ist die Dekoration der Glasscheibe, die das Badezimmer vom Schlafzimmer abtrennt...hübsch!

  
Im Bus...

Ein Tempel auf Little Liu Chiu (in Taiwan gibt es an jeder Straßenecke kleine und große Tempel)

Little Liu Chius Strand

 

Operation einer Drachenfrucht


Ein Mönch auf einem Roller

Und wir beide auf dem Roller!

  
Ein berühmter Felsen auf Little Liu Chiu


  


Meine geliebten Taiwanesischen Schlappen (die hat wirklich jeder dort) - wurden mir leider eine Woche später in Shanghai im Youth Hostel geklaut... *trauer*