Hallo ihr Lieben!
Lang lang ists her, dass ich mich bei euch gemeldet habe. Und viele von euch haben sich schon beschwert, dass ich so lange nicht mehr in meinem Blog geschrieben habe. Und ihr habt ja Recht! Ich wollte natürlich eigentlich viel öfter schreiben. Deshalb setze ich mich jetzt mal wieder ran und schreibe, was so in den letzten 1-2 Monaten passiert ist, denn so lange ists schon wieder her, dass ich nicht geschrieben habe! (aaaah, die Zeit vergeht so schnell!)
Zunächst einmal folgende Neuigkeit: Ich bin nach Beijing gezogen!! Ja! Beijing ist eine so wunderbare Stadt! Wie ist es dazu gekommen? Dazu muss ich weit ausholen…
Alles fing damit an, dass ich Ende November, Anfang Dezember nach Taiwan geflogen bin, um Katrin, eine Freundin aus meinem Chinesischkurs in Berlin, zu besuchen. Sie lernt Chinesisch an der Uni in Taipei und wohnt mit zwei Taiwanesen zusammen in einer richtig schönen Wohnung. Ich hab sie dort besucht und eine wunder-wunder-wunderbare Woche verbracht! Jetzt ist es schon so lange her, dass ich gar nicht mehr so lang und breit über Taiwan schreiben möchte, aber kurz gesagt: Taiwan hat mich echt beeindruckt. Die Insel ist total schön und abwechslungsreich, man kann super wandern, Rad fahren, schwimmen, sogar Berg steigen… Taipei ist total sauber und die Leute nett und höflich und man kann sehr gut und abwechslungsreich essen gehen. Mir hat’s echt total gefallen in Taiwan, aber natürlich ist es auch immer schwer, einen differenzierten Eindruck innerhalb von einer Woche zu bekommen, insbesondere, wenn man in dieser Woche Urlaub macht und eh nur nette Sachen unternimmt. :) Aber trotzdem – Taiwan ist super! Und die Fotos sprechen wohl für sich.
Dann, zurück in China war ja dann schon Dezember und die Weihnachtszeit begann. Doch davon habe ich gar nicht wirklich was mitbekommen, denn in China wird Weihnachten nicht wirklich gefeiert und die obligatorische Weihnachts-Reizüberflutung, die man aus Deutschland kennt, blieb aus. Man stelle sich einfach mal ein Weihnachten OHNE die folgenden Sachen vor:
- Spekulatius, Lebkuchen, Marzipankartoffeln und allgemein Schokolade
- Selbstgebackene Plätzchen
- Zimttee und Glühwein
- Weihnachtsmänner und –bäume in jedem Schaufenster
- Weihnachtsmusik (insbesondere „Last Christmas“) in jedem Kaufhaus
- Weihnachtsmärkte an jeder Straßenecke
Sondern einfach nur Alltagsbetrieb, graues Wetter, graue Straßen. Es war wirklich seltsam… mir hat Weihnachten richtig gefehlt, mehr als ich eigentlich gedacht hatte! Ich finde Weihnachten sonst auch immer ganz schön - wenn auch meist etwas stressig, aber trotzdem gehöre ich zu den Leuten, die Weihnachten echt mögen – ich mag es, drinnen zu sitzen und Tee zu trinken und Kerzen anzumachen und draußen ist es kalt und grau. Aber diesmal war einfach NUR „Normalität“ und es war NUR grau draußen, aber ohne den gemütlichen Weihnachtspart. Deshalb dachte ich mir, Weihnachten muss ich irgendwas besonders schönes machen, um keine Weihnachtsdepression zu bekommen.
Da passte es ganz gut, dass Johannes zu Weihnachten von Mithra, einer Freundin aus Berlin, Besuch bekam und wir Weihnachten zusammen verbringen konnten. Gemeinsam mit Friedrich und Christina (beide auch aus unserem China-Programm) sind wir nach Sichuan gefahren und haben den HEILIGabend auf dem Emei Shan, einem der HEILIGEN Berge (ich hoffe, ihr bemerkt den Zusammenhang, auf den ich euch überaus subtil hinweisen möchte) verbracht. Das war bestimmt das verrückteste Weihnachten, das ich bisher verbracht habe. Jeder hatte ganz viel Weihnachtszeug dabei – ich hatte selbstgebackene Plätzchen und viel Milkaschokolade von meiner Mama – und die anderen hatten auch alle Sachen von ihren Eltern aus Deutschland: Plätzchen, Schokolade, Rotwein, Kääääsee, Weihnachtsmusik usw. im Gepäck. Mit all dem Zeug haben wir uns auf den Weg gemacht, den Emei Shan zu besteigen. „Berg steigen“ in China bedeutet immer vor allem eins: viiieeele, viele, unendlich viele Treppen steigen… man kann es sich einfach so vorstellen, ein mehrere hundert Meter hohes Hochhaus ohne Aufzug zu besteigen. Das ist anstrengender, als wenn die Wege einfach ganz natürlich wären.
Auf dem Weg nach oben wurden wir von mehreren drogensüchtigen Affen attackiert. Die Droge, auf der die Affen waren, ist der gesüßte, grüne Tee in auffällig grünen Plastikflaschen, den man überall kaufen kann. Als die Affen uns sahen, haben sie offensichtlich schon von weitem abgecheckt, wer wo ans einem Rucksack eine solche Grünteeflasche hatte, denn sie kamen dann sehr zielstrebig auf uns zugerannt und sind an uns hochgesprungen, um zielsicher nach den Flaschen zu greifen und 2 m von uns entfernt diese Flaschen mit ihren spitzen Zähnen aufzubeißen und wie Bestien oder eben wie Drogensüchtige äußerst geräuschvoll daran zu saugen und die Flasche in 2 Sek zu leeren! Das war ein Schauspiel! Natürlich hat diese Vorstellung unsere Phantasie beflügelt und nachdem wir in Sicherheit waren, haben wir uns überlegt, was wir das nächste Mal für Leckereien in diese Grünteeflaschen füllen könnten, um uns zu rächen: Angefangen von Baijiu (dem chinesischen Schnaps) über Essig zu Chilisauce… Es sollte aber subtil schmecken, denn sonst würden die Affen wohl sehr wütend werden. Am lustigsten wäre es, die Affen mit Baijiu betrunken zu machen. Das nächste Mal, wenn ich in ein Affengebiet wandere, mach ich das auf jeden Fall!
Jedenfalls, als wir die Affen überstanden hatten, haben wir uns einen Schlafplatz in einem buddhistischen Tempel gesucht und dort gemütlich mit Heizdecken, Rotwein und Käse und viel Schokolade den Heiligabend verbracht. Auf dieser Höhe des Berges lag sogar jede Menge Schnee, so dass sich langsam ein weihnachtliches Gefühl eingestellt hatte!
Dann, die darauffolgenden Tage, haben wir uns alle getrennt. Johannes und Mithra sind nach Yunnan weiter, Friedrich und ich sind nach Guilin gefahren und Christina ist in Sichuan geblieben.
Kurz zu Guilin: Für alle, die es nicht wissen, Guilin ist eine der schönsten Gegenden in ganz China. Man hat dort diese berühmten Karstlandschaften, die man aus jedem China-Bildband kennt. Friedrich und ich hatten ziemliches Glück mit dem Wetter am ersten Tag, so dass alles einfach nur total traumhaft schön aussah! Wir sind mit dem Fahrrad durch kleine Dörfer gefahren und konnten viele schöne Fotos machen… Die darauffolgenden Tage war es leider etwas grau und ich fühlte mich auch nicht so gut, so dass wir dann nicht mehr so viel gemacht haben. Aber ich möchte auf jeden Fall noch mal nach Guilin zurück! Es war sooo schön dort!
Silvester sind Friedrich und ich dann beide nach Beijing gefahren und haben ein nettes, aber auch relativ unspektakuläres Silvester verbracht. Silvester wird nicht so groß gefeiert wie in westlichen Ländern. Es gab kein Feuerwerk (oder zumindest haben wir keins von unserem Fenster aus sehen können) und insgesamt hatte ich nicht so ne Silvester-Stimmung. Feuerwerkskörper sind wegen der Brandgefahr verboten und überhaupt wird es einfach nicht groß gefeiert, da das chinesische Neujahrsfest ja erst noch kommt (im Februar). Aber es war schön, in Beijing zu sein und Zeit mit Christina und Norman aus unserem China-Programm zu verbringen.
Ja, und dann war eigentlich mein ursprünglicher Plan, wieder zurück nach Taiwan zu fliegen (weil's mir dort so gut gefallen hat!) und den Januar in Taipei zu verbringen und dort meine Studienarbeit zu schreiben. Damit hätte sich der Kreislauf geschlossen. Doch das hat leider nicht geklappt, weil die Vermieterin des Zimmers, wo ich eigentlich wohnen wollte, sich nicht einverstanden erklärt hatte (ich fass jetzt alles mal nur kurz zusammen). Also war ich hin und her gerissen!! Ich wollte nicht zurück nach Nanjing, weil ich dort schon seit ner Weile versucht habe, meine Studienarbeit zu schreiben und einfach keine Motivation aufkommen wollte und weil ich Nanjing auch einfach etwas langweilig fand, ich wollte so gern nach Taipei, weil es dort warm und schön ist, aber andererseits wollte ich auch nicht ohne eine Wohnung zu haben, dort hin, weil ich dann erst noch Wohnung suchen musste und das hätte sich für einen Monat nicht gelohnt. Und nach beijing wollte ich sowieso früher oder später wegen eines Praktikums und die Stadt hat mich eh schon lang gereizt (weil hier die ganze Musik- und Kunstszene ist und einfach viel mehr los ist), so dass ich nur noch 1 und 1 zusammen zählen musste und spontan beschlossen habe, einfach in Beijing zu bleiben! Also hab ich nach einem freien Zimmer gesucht und auch innerhalb von 3 Tagen was gefunden. Bin dann noch mal nach Nanjing gefahren, um mein Zeug zu holen und Zeit mit meinem Mitbewohner zu verbringen und mich zu verabschieden – und jetzt wohn ich in Beijing! Allerdings erstmal nur bis Ende Februar… danach muss ich mal weiter sehen…
Ich wohn jetzt in einer kleinen, gemütlichen Wohnung zusammen mit einem echt netten Schweden und seiner chinesischen Freundin. Die beiden sind ein total witziges Paar und es macht Spaß, den beiden bei ihren alltäglichen Streitereien (oder Neckereien) zuzuhören. Ich sitz leider den ganzen Tag vor meinem Computer und arbeite an meiner Studienarbeit, aber immerhin komme ich auch endlich mal ein bisschen vorwärts und hoffe, dass ich sie bald abschließen kann. Von Beijing hab ich noch nicht soviel gesehen und auch meine Sprachkenntnisse machen im Moment keine Fortschritte… ich könnte im Moment wirklich an jedem beliebigen Ort der Erde sein und es würde sich wohl ähnlich anfühlen. Aber da muss ich jetzt durch und dann hab ichs vielleicht bald geschafft und kann mich wieder ganz auf China konzentrieren.
Mein nächstes halbes Jahr wird auch total toll werden, wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle. Ende Februar werden Johannes und ich zusammen mit einem deutschen Professor, der an der Uni Nanjing arbeitet, nach Qinghai fahren und in einem See eine Eiskernbohrung durchführen. Sowas macht man, um an die Sedimente des Seebodens zu gelangen, ohne sie aufzuwirbeln (deshalb muss der See eingefroren sein) und dann kann man Aussagen treffen darüber, wie der See entstanden ist und was so alles vor Tausenden von Jahren passiert ist. Das wird super spannend!
Dann kommt mich bald Fine besuchen und wir werden 3 Wochen rumreisen, darauf freu ich mich auch schon total.
Und dann ist bald Mai und dann mache ich ein Praktikum am Institute of Tibetan Plateau Research, das „zufälligerweise“ mit der TU Berlin zusammen arbeitet und dort werde ich eine Expedition nach Tibet begleiten und mir die Forschungsstationen in und um Lhasa anschauen. ;)
Diese ganze "Forschung" ist so witzig, eigentlich geht es doch im allgemeinen mehr oder weniger nur darum, einen Vorwand zum reisen zu haben. Ich weiß schon, warum ich Umweltwissenschaften und nicht mehr Mathematik studiere... :))
Ansonsten, was gibt’s noch zu erzählen? Ich fange an, an der Sprache zu verzweifeln. Ich mach kaum Fortschritte und das ist echt schade. Ich finds auch sehr schade, dass ich mich nicht komplett auf das Sprachenlernen konzentrieren kann, sondern immer diese Studienarbeit im Kopf habe. Aber irgendwas ist ja immer und Chinesisch ist einfach wirklich nicht eingängig, find ich. Es ist ganz anders, als Französisch oder Spanisch zu lernen.
Also gut, ich hoffe, ich konnte ein wenig eure Neugier befriedigen. Ich lade schon mal ein paar Fotos von Taiwan hoch, die Fotos von Weihnachten und Silvester muss ich später hoch laden, also schaut hin und wieder mal rein...
Bis bald!
Liebe Grüße
Lisa
Bilder aus Taiwan:
Straße in Taipei
Miao!
Beim Videospiele spielen (sehr beliebt in China und Taiwan!)
Katrin bekommt Reisetipps von FuYi
Schuluniformen
Spielende Schulkinder
Weihnachtsdeko auf taiwanesisch
In der U-Bahn in Taipei - In Nanjing wär man über soviel Platz froh!
Japanisch essen
Im Bambuswald in Alishan
Diesmal ich im Bambuswald
Zerstörungen durch den Taifun 2009
Taiwanesischer Junge
Das traurigste auf der ganzen Reise: Einer von zwei Braunbären in einem trostlosen Käfig
In diesem Käfig hausen die beiden Bären :(
Nationalpark in Alishan
Immer noch Alishan
Eine Nacht haben wir in einem Stundenhotel verbracht... Das hier ist die Dekoration der Glasscheibe, die das Badezimmer vom Schlafzimmer abtrennt...hübsch!
Im Bus...
Ein Tempel auf Little Liu Chiu (in Taiwan gibt es an jeder Straßenecke kleine und große Tempel)
Little Liu Chius Strand
Operation einer Drachenfrucht
Ein Mönch auf einem Roller
Und wir beide auf dem Roller!
Ein berühmter Felsen auf Little Liu Chiu
Meine geliebten Taiwanesischen Schlappen (die hat wirklich jeder dort) - wurden mir leider eine Woche später in Shanghai im Youth Hostel geklaut... *trauer*